EA 288 neuer Dieselskandal bei VW | Schadensersatz wegen Rückruf

Created date: 2020-09-14

Sie fahren ein Dieselauto von VW, Seat, Skoda oder Audi, welches nach 2014 gebaut wurde? Dann ist Ihr Auto wahrscheinlich vom Dieselskandal 2.0 zum Motortyp EA288 für neuere Fahrzeuge betroffen. Wir erklären Ihnen warum und mit welchem Schadensersatz Sie deshalb rechnen können.

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Dieselskandal 2.0 bei den neuen EA288 Motoren?

Der Bundesgerichthof hat mit Urteilen aus Mai 2020 und Juli 2020 wichtige Fragestellungen bezüglich der Abgasmanipulation bei Motoren des Typs EA189 von VW weitestgehend geklärt. Der Autobauer beteuert nunmehr alle restlichen und offenen Verfahren möglichst schnell verbraucherfreundlich abzuwickeln.

Doch ist damit endlich das Ende der Fahnenstange im Abgasskandals erreicht? Dem scheint nicht so zu sein.

Volkswagen hat bereits in einem Prozess vor dem Landgericht Duisburg eingeräumt, auch die neueren Motoren manipuliert zu haben, um gesetzliche Abgaswerte auf dem Prüfstand einzuhalten.

Im Fokus des Dieselskandals „2.0“ steht nunmehr der Nachfolgemotor des EA189, der EA 288. Diese Dieselmotoren, die auch als Entwicklungs Auftrag 288 bezeichnet werden, sind mit drei- und Vierzylindern ausgestattet und wurden im Jahr 2012 entwickelt und sind seitdem in verschiedensten Modellen des VW-Konzern eingesetzt worden (Liste mit betroffenen Fahrzeugen finden Sie am Ende des Artikels).

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Als Leistungsstufen ist dieser von 55 bis 176 Kw und als 1.4 TDI, 1.6 TDI oder 2.0 TDI im Einsatz. Nach und nach sickerte der Betrug auch bei diesem Motorentyp durch, der ebenfalls durch eine Softwaremanipulation verursacht worden ist, sodass zahlreiche Gerichte deutschlandweit betroffene Kunden bereits entschädigt haben.

Manipulation der neuen Dieselmotoren von VW & Co.

Trotz der Veröffentlichung des ersten Dieselskandals im Jahr 2015 haben VW und seine Tochtergesellschafter weiter Dieselautos mit unzulässigen Abschalteinrichtungen gebaut.

Das Landgericht Regensburg (Urteil vom 19.03.2020 – Az.: 73 O 1181/19) hat festgestellt, dass die Motoren EA 288 über eine sog. Zykluserkennung verfügen.

Zykluserkennung als Abschalteinrichtung

Die Software erkenne anhand Lenkwinkelerkennung, Temperaturerkennung und Zeiterfassung, ob sich das Fahrzeug auf einem Prüfstand befinde und wodurch sich die Abgasrückführung im Vergleich zum Normalbetrieb substanziell erhöhe. Die Steuerungssoftware führt mithin dazu, dass der gesetzlich definierte Grenzwert ausschließlich im Prüfverfahren zur Typengenehmigung eingehalten wird. Zusätzlich dazu legte der Kläger ein internes Dokument von VW vor, welches die Überschrift „Entscheidungsvorlage: Applikationsrichtlinien & Freigabevorgaben EA 288“ trägt und dass die Manipulation im Prüfstands Modus nahelegt. Das Bestreiten von VW dazu, tat das Gericht als zu oberflächlich ab und verurteilte VW wegen sittenwidriger Schädigung zu Schadensersatz.

Unzulässiges Thermofenster als bei dem EA288 Motor

Zusätzlich zu der Zykluserkennung, nutzt VW auch hier sogenannte Thermofenster. Das sind Temperaurbereiche, bei denen die Abgasreinigung heruntergefahren wird, um den Motor zu schonen. Solche Thermofenster sind grundsätzlich unzulässig, wie die Generalanwältin am EuGH in ihren Schlussanträgen in einem Abgasfall ausführte (Az. C 693/18). Ausnahmen seien nur in sehr engen Grenzen und nur zum Schutz des Motors vor unmittelbaren Schäden und nicht vor langfristigen Auswirkungen zulässig. Die Generalanwältin ist der Ansicht, „dass nur unmittelbare Beschädigungsrisiken, die die Zuverlässigkeit des Motors beeinträchtigen und eine konkrete Gefahr bei der Lenkung des Fahrzeugs darstellen, das Vorhandensein einer Abschalteinrichtung rechtfertigen können.“ Für gewöhnlich folgen die Richter den Einschätzungen der Generalanwälte. Eine abschließende Entscheidung steht jedoch noch aus.